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Bauphysik 10 Min. Lesezeit ·

Bambus für Architekten: BREEAM-, LEED- und DGNB-Credits konkret

Wer ein Gebäude nach BREEAM, LEED oder DGNB zertifizieren will, trifft Bauproduktentscheidungen nicht mehr nach Bauchgefühl. Jeder Werkstoff muss belegen, was er zur Punktebilanz beiträgt. Für MOSO-Bambus liegen die relevanten Nachweise vor — die folgende Übersicht zeigt, welche Credits realistisch erreichbar sind und welche Dokumente Sie dafür im Projektordner brauchen.


Higher Roch Tower in Montpellier mit Bambus-Fassade — moderne Architektur mit MOSO-Bambusprodukten als Beispiel für BREEAM-/LEED-/DGNB-relevante Materialwahl

Warum die Materialspezifikation in Zertifizierungen sichtbar wird

In einem klassischen Bauantrag genügt es, Brandschutz und Statik nachzuweisen. In einem DGNB-, LEED- oder BREEAM-Verfahren reicht das nicht: Jedes spezifizierte Bauprodukt wird auf Klimawirkung, Lieferkette und Innenraumwirkung geprüft. Die Bewertungsmatrix dieser Systeme funktioniert mit Punktevergabe — und für jedes Material entscheidet sich an konkreten Dokumenten, ob es Punkte bringt oder neutral durchläuft.

Für MOSO-Bambusprodukte liegen die drei wichtigsten Nachweise produktübergreifend vor: die EPD nach EN 15804, die FSC-Zertifizierung mit Chain-of-Custody, und die Emissions-Klassifizierung nach EN 13986. Mit diesen drei Dokumenten ist Bambus in den meisten relevanten Credit-Kategorien anrechnungsfähig — und in einigen sogar überlegen gegenüber den typischen Alternativen.

Die drei Zertifizierungssysteme im Überblick

DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). Modulares System mit aktuell rund 30 bis 40 Kriterien je nach Gebäudetyp, gruppiert in den Themenfeldern ökologische, ökonomische, soziokulturelle und technische Qualität. Bewertung in Bronze / Silber / Gold / Platin. Material-relevante Kriterien stehen vor allem in den ENV-Modulen (ENV1.1 Klima, ENV1.2 Risiken für lokale Umwelt, ENV1.3 Nachhaltige Ressourcennutzung) und in SOC1.2 (Innenraumlufthygiene).

LEED v4.1 BD+C (Building Design + Construction, USGBC). Punkteskala bis 110 mit Stufen Certified, Silver, Gold, Platinum. Material-Credits liegen in der Kategorie Materials & Resources (MR) — insbesondere im Credit Building Product Disclosure and Optimization (BPDO) mit drei Unterkategorien: Environmental Product Declarations, Sourcing of Raw Materials und Material Ingredients. Zusätzlich relevant: der EQ-Credit Low-Emitting Materials.

BREEAM International New Construction 2021 (BRE Global). Punkteskala bis 100 % mit den Stufen Pass / Good / Very Good / Excellent / Outstanding. Material-Credits stehen in der Kategorie Mat (Materials), vor allem Mat 01 (Life Cycle Impacts) und Mat 03 (Responsible Sourcing). Innenraumluft wird unter Hea 02 bewertet.

Die drei Systeme bewerten unterschiedlich, fragen aber nach denselben Datenpunkten: LCA-Werten, Lieferkettendokumentation und Emissionsverhalten. Wenn ein Produkt für eines der drei Systeme geeignet dokumentiert ist, lässt es sich meist auch in den anderen anwenden.

Wo MOSO-Bambus konkret beitragen kann

1. Lebenszyklus-Klimawirkung (LCA / GWP)

Die produktbezogene EPD nach EN 15804 ist der zentrale Beleg für die Klimabilanz im Bewertungsverfahren. MOSO-Bambusprodukte sind über mehrere Produktgruppen mit EPDs ausgestattet: für MOSO Solid Panel und Beam (Massivplatten und Balken), für MOSO Density (Strand-Woven-Parkett) und für MOSO Bamboo X-treme (Outdoor-Belag und Fassade).

Die wissenschaftliche Grundlage zur Bilanzierung wurde in einer Lebenszyklusstudie der TU Delft erarbeitet, die auf der UN-Klimakonferenz COP21 in Paris 2015 vorgestellt wurde. Über den Lebenszyklus (Module A1–A3 + C + D nach EN 15804) zeigen die untersuchten MOSO-Solidprodukte ein CO₂-neutrales oder leicht negatives Ergebnis. Details und Methodik im Artikel zur CO₂-Bilanz nach LCA und EPD.

Credit-Pfade:

  • DGNB ENV1.1 — Beitrag zur Lebenszyklusbewertung des Gesamtgebäudes (GWP, ODP, AP, EP, POCP)
  • LEED MR-BPDO Option 1 — anrechenbare EPDs (produktbezogen)
  • BREEAM Mat 01 — Verbesserung gegenüber generischen Green-Guide-Werten

2. Verantwortungsvolle Materialbeschaffung

Alle relevanten MOSO-Bambusprodukte sind FSC-zertifiziert. Der Chain-of-Custody-Nachweis dokumentiert die lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Anbaugebiet in China bis zum verbauten Produkt. Ergänzend wichtig: Bambus ist ein rapidly renewable material im Sinn der typischen LEED-Definition (max. 10 Jahre Erntezyklus) — die Moso-Bambusplantage liefert nach 4 bis 5 Jahren erntereife Halme, ohne dass das Rhizom-System dabei beschädigt wird.

Credit-Pfade:

  • DGNB ENV1.3 — nachhaltige Ressourcennutzung über FSC-Zertifizierung
  • LEED MR-BPDO Option 2 — Sourcing of Raw Materials (verantwortungsvolle Beschaffung, FSC-anerkannt)
  • BREEAM Mat 03 — Responsible Sourcing of Materials (FSC ist als Tier-Level-Zertifizierung in BREEAM anerkannt)

3. Innenraumluftqualität

MOSO-Bambusprodukte erreichen typischerweise die Emissionsklasse E1 nach EN 13986, einige Produktlinien auch E0 (Formaldehyd-Emission unter dem natürlichen Holzwert). Bei Bambusparkett und Massivplatten ist diese Emissionsklasse im Datenblatt pro Produkt ausgewiesen.

Credit-Pfade:

  • DGNB SOC1.2 — Innenraumlufthygiene (VOC, Formaldehyd)
  • LEED EQ-Low-Emitting Materials — Anteil compliant Materialien an der Gesamtfläche
  • BREEAM Hea 02 — Indoor Air Quality (Auswirkung von Bauprodukten auf Raumluft)

Konkretes Credit-Mapping auf einen Blick

Themenfeld DGNB LEED v4.1 BD+C BREEAM Bambus-Nachweis
Klima / LCA ENV1.1 MR-BPDO (EPD) Mat 01 EPD nach EN 15804
Toxizität / Inhaltsstoffe ENV1.2 MR-BPDO (Material Ingredients) Inhaltsstoff-Erklärung des Herstellers
Lieferkette / Sourcing ENV1.3 MR-BPDO (Sourcing) Mat 03 FSC-Zertifikat + CoC-Nummer
Innenraumluft SOC1.2 EQ-Low-Emitting Materials Hea 02 Emissionsklasse E1 / E0 nach EN 13986

Die genaue Punktzahl pro Credit hängt vom Gesamtprodukt-Mix im Projekt ab — Bambus ist kein einzelnes Punkte-Wundermittel, sondern ein Werkstoff, der in mehreren parallelen Kategorien beitragen kann. In Kombination mit anderen zertifizierten Bauprodukten ergibt sich daraus eine spürbare Hebelwirkung in der Gesamtbewertung.

Was Sie als Architekt im Projektordner haben sollten

Vier Dokumente pro spezifiziertem MOSO-Produkt sind die Standardausstattung für jedes Zertifizierungsverfahren:

  1. EPD nach EN 15804 — produktbezogen, mit aktueller Programmversion und Ausstellungsdatum (Gültigkeit max. 5 Jahre)
  2. FSC-Zertifikat mit Chain-of-Custody-Nummer — für die Sourcing-Credits
  3. Datenblatt mit Emissionsklasse — E1 oder E0 nach EN 13986, für die Innenraumluft-Credits
  4. Brandschutz-Prüfzeugnis nach EN 13501-1 — für die baurechtliche Freigabe, in einigen DGNB-Kriterien auch credit-relevant

Für DGNB-Verfahren ist zusätzlich oft die Inhaltsstoff-Erklärung nach Kriterium ENV1.2 hilfreich. Auf Anfrage senden wir die jeweils aktuelle Dokument-Sammlung pro spezifiziertes Produkt direkt zu — als geschlossenes PDF-Paket für den Projektordner.

Praxis-Hinweise zum Zertifizierungs-Workflow

  • EPDs immer in aktueller Programmversion verwenden. Die Gültigkeit ist auf 5 Jahre begrenzt. Bei mehrjährigen Projekten kann eine EPD ablaufen, bevor das Gebäude fertig ist — die Auditstelle akzeptiert dann nur die Nachfolge-Version. Frühzeitig mit dem Hersteller über geplante Programm-Updates sprechen.
  • Bezugsgröße der EPD beachten. EPDs sind auf eine funktionelle Einheit normiert (z. B. „1 m² Parkett, 50 Jahre Nutzungsdauer”). Diese Einheit muss in der Gebäude-LCA korrekt übernommen werden, sonst entstehen Rechenfehler.
  • Innenraumluft separat dokumentieren. Die Emissionsklasse aus dem Datenblatt deckt das verbaute Material ab. Bauseitig aufgebrachte Oberflächen (Öle, Lacke, Kleber) brauchen eigene Emissions-Nachweise — vor der Spezifikation klären.
  • Kombination mit anderen nachwachsenden Rohstoffen. In DGNB ENV1.3 zählt nicht nur einzeln, sondern auch der Anteil nachwachsender Rohstoffe am Gesamt-Materialeinsatz. Bambus lässt sich hier gut mit anderen FSC-zertifizierten Hölzern kombinieren, ohne dass sich die Credits doppeln.

Weiterführend: CO₂-Bilanz nach LCA und EPD — Methodik im Detail. FSC-Zertifikat unter der Lupe — was das Siegel wirklich garantiert. Bambus-Brandschutz nach EN 13501-1 — für die baurechtliche Freigabe. Material-Hintergrund mit Architekturreferenzen und Spezifikations-Daten: Bambus als Werkstoff.

MOSO-Produkte mit vollständiger Zertifizierungs-Dokumentation

Folgende Sortimente sind für DGNB-, LEED- und BREEAM-Verfahren vollständig dokumentiert. Wir liefern die aktuellen EPDs, FSC-Zertifikate, Emissions-Datenblätter und Brandschutz-Prüfzeugnisse direkt als geschlossenes Paket:

Für ein konkretes Bauvorhaben in laufender Zertifizierung: nennen Sie uns das System (DGNB / LEED / BREEAM), den Gebäudetyp und die spezifizierten Produkte — wir senden Ihnen das passende Dokumentenpaket projektspezifisch zu.

Häufige Fragen

Das Wichtigste auf einen Blick

In welchen Credit-Kategorien zählt MOSO-Bambus konkret?

Schwerpunktmäßig in drei Bereichen: Lebenszyklusbewertung (DGNB ENV1.1, LEED MR-Building Product Disclosure, BREEAM Mat 01) über die produktbezogene EPD. Verantwortungsvolle Materialbeschaffung (DGNB ENV1.3, LEED MR-Sourcing of Raw Materials, BREEAM Mat 03) über die FSC-Zertifizierung. Und Innenraumluftqualität (DGNB SOC1.2, LEED EQ-Low-Emitting Materials, BREEAM Hea 02) über die niedrigen VOC- und Formaldehyd-Emissionsklassen.

Welche Dokumente muss ich beim Hersteller anfordern?

Standardmäßig vier Dokumente pro spezifiziertem Produkt: die aktuelle EPD nach EN 15804, das gültige FSC-Zertifikat mit Chain-of-Custody-Nummer, das Datenblatt mit Emissionsklassen (E1 oder E0 nach EN 13986) sowie das Prüfzeugnis zur Brandklassifizierung nach EN 13501-1. Für DGNB-Verfahren zusätzlich oft die Erklärung zu Inhaltsstoffen nach DGNB-Kriterium ENV1.2.

Ist Bambus in LEED v4.1 als rapidly renewable material anerkannt?

Die Kategorie rapidly renewable materials wurde in LEED v4.1 in das breitere Kriterium Sourcing of Raw Materials überführt. Bambus erfüllt aufgrund seiner Wachstumszeit von vier bis fünf Jahren bis zur Erntereife die typischen Definitionen rapidly renewable (max. 10 Jahre Erntezyklus) deutlich. Die Anrechnung erfolgt heute über die EPD-Submission und die FSC-Dokumentation.

Reicht eine EPD für die volle Credit-Anrechnung?

Für LEED MR-BPDO Option 1 reichen produktbezogene EPDs in einer Mindestmenge (bezogen auf den Material-Wert des Gebäudes). DGNB ENV1.1 verlangt zusätzlich die rechnerische Lebenszyklusbewertung des Gesamtgebäudes — die EPD ist Input dafür, kein Ersatz. BREEAM Mat 01 nutzt das Green Guide Rating als Grundlage; produktbezogene EPDs verbessern die Bewertung über die generischen Werte hinaus.

Wie aktuell muss eine EPD sein?

EPDs nach EN 15804 haben eine maximale Gültigkeit von fünf Jahren ab Ausstellungsdatum. Im Bauantrag bzw. im Zertifizierungsverfahren muss eine gültige Version vorliegen. MOSO publiziert die aktuellen Programmversionen der EPDs auf moso.eu/epd — vor jedem Projektstart ist ein Abgleich des Ausstellungsdatums empfehlenswert.

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