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Anwendungen 7 Min. Lesezeit ·

Bambusplatten — Anwendungen von Küche bis Treppe

Bambusplatten kennen die meisten als Regalböden im Baumarkt. Das wird dem Material nicht gerecht. In der Architektur werden Bambusplatten für Küchenarbeitsplatten, Treppenstufen, Wandverkleidungen und tragende Konstruktionen eingesetzt — vom Guggenheim Museum Bilbao bis zum Bahnhof Bordeaux-Saint-Jean mit über 18 Millionen Reisenden pro Jahr.


Bambusplatte als Küchen-Arbeitsplatte in einer modernen Wohnküche — eine von vielen Anwendungen der Mehrschichtplatten, von der Möbelfront bis zur Treppenstufe

Mehr als eine Platte

Bambusplatten werden aus Bambusstreifen verleimt und unter hohem Druck verpresst. Das Ergebnis ist ein massives Plattenmaterial, das sich wie Hartholz verhält — aber schneller nachwächst, härter ist und vielseitiger einsetzbar.

MOSO® produziert Bambusplatten in drei Grundtypen:

  • 1-Schicht (4–30 mm) — Furniere, Wandverkleidung, Möbelfronten
  • 3-Schicht (bis 30 mm) — Regalböden, Tischplatten, Verkleidungen
  • 5-Schicht (40 mm) — Arbeitsplatten, Treppenstufen, tragende Anwendungen

Der Unterschied: Mit jeder Schicht, die kreuzweise verleimt wird, steigt die Formstabilität. Eine 5-Schicht-Platte verzieht sich praktisch nicht — selbst bei Schwankungen der Luftfeuchtigkeit.

Anwendung 1: Küchenarbeitsplatten

Bambus als Küchenarbeitsplatte ist in der Architekturszene seit Jahren etabliert. Die Kombination aus Härte, Wärme und Nachhaltigkeit macht ihn zur natürlichen Alternative zu Naturstein, Quarz-Komposit und Massivholz.

In unserer Verkaufspraxis am häufigsten: 40 mm, 5-Schicht, Density — geölt (natürliche Haptik, renovierbar) oder lackiert (pflegeleichter).

Warum Bambus in der Küche funktioniert:

  • Härter als Eiche: Density-Bambus mit 9,5 kg/mm² Brinell-Härte widersteht Messer-Eindrücken und Stößen
  • Formstabil: 5-Schicht-Aufbau kompensiert Feuchteschwankungen (Spüle, Geschirrspüler)
  • Reparierbar: Kratzer und Flecken können ausgeschliffen und nachgeölt werden
  • Lebensmittelecht: E0-Emissionsklasse, formaldehydfrei verfügbar

Einschränkung: Stehende Nässe sofort aufwischen. Heiße Töpfe nicht direkt aufstellen (gilt für jedes Holzmaterial). Schneidebretter verwenden — nicht direkt auf der Platte schneiden.

Anwendung 2: Treppen und Stufen

Treppenstufen aus Bambus sind eine elegante Lösung, besonders wenn der Boden im angrenzenden Raum ebenfalls aus Bambus ist — durchgängige Materialsprache vom Erdgeschoss bis ins Obergeschoss.

Häufig verlegt: 40 mm 5-Schicht für selbsttragende Stufen, 30 mm 3-Schicht als Belag auf bestehende Treppe.

Vorteile für Treppen:

  • Biegefestigkeit: Lamellierter Bambus erreicht 56,7 N/mm² (charakteristisch), Density sogar 65,4 N/mm²
  • Trittsicherheit: Geölte oder lackierte Oberfläche mit natürlicher Textur
  • Abriebresistenz: Treppenstufen werden punktuell stark belastet — Density-Bambus hält dem stand

Referenzprojekt: Treppen aus MOSO®-Bambusplatten an der Universität Utrecht (Niederlande), Architekturbüro Ector Hoogstad.

Anwendung 3: Möbel und Einbauten

Bambusplatten sind weltweit als Basismaterial für Möbeldesign im Einsatz. Die charakteristische Linienstruktur — ob als feine Hochkantlamelle oder als lebendige Breitlamelle — gibt jedem Möbelstück einen erkennbaren Ausdruck.

Typische Einsätze:

  • Tischplatten und Schreibtische (5-Schicht für Formstabilität)
  • Regalsysteme (1-Schicht oder 3-Schicht)
  • Schranktüren und Fronten (Starkfurnier auf MDF-Träger)
  • Fensterrahmen und Türzargen (gute Dimensionsstabilität)
Referenz

Das Ricoh-Büro in den Niederlanden nutzt Bambusbalken als Fensterrahmen — ein Material, das früher Tropenholz vorbehalten war. Die Dimensionsstabilität spricht für Bambus in Rahmenanwendungen.

Anwendung 4: Wand- und Deckenverkleidung

Dünne Bambusplatten oder Starkfurniere bringen Wärme in Räume, ohne die Raumtiefe zu verlieren.

Formate für Wandverkleidung:

  • Starkfurnier (4 oder 5 mm) — auf MDF oder direkt auf die Wand
  • 1-Schicht-Platten (10–20 mm) — frei stehend oder als Akustikelement

Das wohl bekannteste Beispiel: Die 200.000 m² große Deckenverkleidung des Madrider Flughafens Terminal 4 (Rogers Stirk Harbour + Estudio Lamela, 2006) — bis heute eines der größten Bambusprojekte weltweit. Für dieses Projekt entwickelte MOSO® eine biegsame, feuerfeste Bambusplatte mit Glasfaser-Schicht, die den strengen Anforderungen des Architekten entsprach.

Die drei Optiken

Bambusplatten gibt es in drei grundlegend verschiedenen Erscheinungsbildern:

Breitlamelle (BL) Die Bambusstreifen liegen flach. Die typischen Bambusknoten sind deutlich sichtbar — lebendig, natürlich, unverwechselbar. Ideal für alle, die den Bambus-Charakter bewusst zeigen wollen.

Hochkantlamelle (HL) Die Streifen stehen hochkant. Das ergibt ein feines, gleichmäßiges Linienmuster — dezenter und moderner als Breitlamelle. Beliebt bei Architekten für Möbel und Einbauten.

Density (DT) Strand Woven Bambus: Die Fasern werden unter extremem Druck verpresst. Das Ergebnis ist eine homogene Oberfläche mit einer flammenden, holzähnlichen Maserung — die Bambusknoten scheinen nur zart hindurch. Die härteste und dichteste Variante — Details zum Verfahren in Was ist Density-Bambus.

Alle drei Optiken sind in den Farben Naturhell, Gedämpft (warmer Karamellton durch thermisches Dämpfen) und teilweise Tiger (Natur-Gedämpft-Mix) erhältlich.

Technische Daten im Überblick

Eigenschaft Lamelliert (BL/HL) Density (DT)
Rohdichte ~700 kg/m³ > 1.050 kg/m³
Brinell-Härte ~4 kg/mm² 9,5 kg/mm²
Biegefestigkeit 56,7 N/mm² 65,4 N/mm²
Brandschutz C-s1-d0 B-s1-d0
Emissionsklasse E0 verfügbar E0 verfügbar
Zertifizierung FSC®, EPD FSC®, EPD
Max. Plattendicke 30 mm (3-Schicht) 40 mm (5-Schicht)
Bearbeitbar mit Standard-Holzwerkzeug HM-bestückte Werkzeuge

Bambus vs. Multiplex, MDF und Massivholz

Warum nicht einfach Birkenmultiplex oder MDF nehmen?

  • MDF hat keine Maserung, keine Härte, keine Renovierbarkeit. Es ist ein Trägermaterial, kein Sichtmaterial.
  • Multiplex (Birke) ist leichter (~650 kg/m³), weicher und empfindlicher gegen Feuchtigkeit. Für sichtbare Anwendungen braucht es eine Beschichtung.
  • Massivholz (Eiche) ist schön, aber neigt zum Verziehen. Eine 40 mm Eichenplatte verzieht sich ohne Gegenzug — eine 5-Schicht-Bambusplatte nicht.
  • Bambus kombiniert die Sichtqualität von Massivholz mit der Formstabilität von Multiplex — in einem einzigen Material.

Bambusplatten bei bambuskomfort

Wir bieten Bambusplatten in allen Lamellen-Typen, Farben und Dicken ab Lager. Kostenloses Muster bestellen und Oberfläche, Farbe und Struktur in der Hand vergleichen.

Häufige Fragen

Das Wichtigste auf einen Blick

Sind Bambusplatten wasserfest?

Bambusplatten sind feuchtigkeitsresistenter als die meisten Hölzer (Rohdichte 700–1.050 kg/m³), aber nicht dauerhaft wasserfest. Für Küchenarbeitsplatten und Badmöbel sind sie geeignet, solange stehendes Wasser zeitnah aufgewischt wird. Für Außenanwendungen gibt es speziell thermisch behandelte Varianten.

Welche Plattendicke für Küchenarbeitsplatten?

Bambusplatten werden in 1-, 3- und 5-Schicht-Aufbauten bis 40 mm geliefert. Welcher Aufbau für eine Arbeitsplatte sinnvoll ist, hängt von Spannweite, Unterkonstruktion und Beanspruchung ab — dazu beraten wir gern im Einzelfall. Density-Varianten (über 1.050 kg/m³) sind besonders schnitt- und stoßresistent.

Kann man Bambusplatten selbst zuschneiden?

Ja. Bambusplatten lassen sich mit handelsüblichen Holzbearbeitungsmaschinen sägen, bohren, fräsen und schleifen. Hartmetallbestückte Sägeblätter empfohlen. Density-Platten erfordern etwas mehr Kraft als Standard-Bambus, sind aber mit normaler Werkstattausstattung bearbeitbar.

Was ist der Unterschied zwischen Hochkant- und Breitlamelle?

Bei der Hochkantlamelle stehen die Bambusstreifen hochkant — das ergibt ein feines, gleichmäßiges Linienmuster. Bei der Breitlamelle liegen die Streifen flach — die typischen Bambusknoten sind sichtbar. Density-Platten haben ein homogenes, holzähnliches Erscheinungsbild ohne erkennbare Lamellen.

Wie pflege ich eine Bambusarbeitsplatte?

Geölte Platten werden je nach Beanspruchung mit Arbeitsplattenöl nachbehandelt. Lackierte Platten feucht abwischen, keine Scheuermittel. Stehendes Wasser vermeiden, heiße Töpfe auf Untersetzer stellen, Schneidebretter verwenden.

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