Welche Dauerhaftigkeitsklasse hat Bambus?
Bambus hat keine einheitliche Dauerhaftigkeitsklasse. Der unbehandelte Rohstoff kann wegen seiner hohen Zuckerbestandteile nicht ohne Schutzbehandlung im Freien verwendet werden, er ist anfällig für Mikroorganismen und Pilze. Thermisch modifizierter und hochverdichteter Bambus erreicht dagegen die höchste Stufe: Bamboo X-treme® ist nach EN 350 in Klasse 1 eingestuft, geprüft nach CEN/TS 15083-2 (Simulierung des Freilandtests) und CEN/TS 15083-1. Dasselbe gilt für Bamboo N-durance® (EN 350 / CEN/TS 15083-2 und EN 350 / EN 113-2) und für dassoXTR und dassoCTECH (Klasse 1 nach EN 113 / EN 350).
Dazwischen liegt verdichteter Bambus ohne thermische Modifizierung: Bamboo UltraDensity®, eine Massivdiele für den Innenbereich, trägt Klasse 2 (EN 350 / CEN/TS 15083-1) und Gebrauchsklasse 3.1 nach EN 335 / EN 460, ist also für überdachte Außenbereiche zugelassen, nicht für die bewitterte Terrasse.
Die unterschiedlichen Angaben, die zu Bambus kursieren, von „nicht dauerhaft” bis „Klasse 1”, sind deshalb keine Widersprüche. Sie beschreiben verschiedene Materialien. Was aus dem Halm im Werk wird, entscheidet über die Klasse; die botanische Seite dieser Frage behandelt der Artikel Ist Bambus Holz?, das Verfahren selbst die Seite Material Bambus.
Was Dauerhaftigkeitsklassen sind
Die Dauerhaftigkeit ist die einer Holzart oder einem Holzwerkstoff innewohnende Widerstandsfähigkeit gegen den Angriff durch holzzerstörende Organismen. Sie ergibt sich aus natürlichen Inhaltsstoffen, anatomischen Besonderheiten oder der Zusammensetzung des Werkstoffs. Der Normbegriff „biologische Dauerhaftigkeit” umfasst die natürliche Dauerhaftigkeit ebenso wie die durch Modifizierung oder andere Vergütungsverfahren erzielte, so fasst es die Holzforschung Austria in ihrer Planungshilfe für Holzbeläge im Außenbereich zusammen.
EN 350 teilt die Widerstandsfähigkeit gegen holzzerstörende Pilze in fünf Klassen ein:
| Dauerhaftigkeitsklasse (EN 350) | Bezeichnung |
|---|---|
| 1 | sehr dauerhaft |
| 2 | dauerhaft |
| 3 | mäßig dauerhaft |
| 4 | wenig dauerhaft |
| 5 | nicht dauerhaft |
Drei Regeln gehören zu dieser Skala, weil sie im Alltag oft untergehen:
- Die Klassen gelten für Kernholz. Splintholz wird gegenüber holzzerstörenden Pilzen generell als nicht dauerhaft (Klasse 5) eingestuft. Bei den verdichteten Bambus-Produkten gilt die Einstufung für das fertige Material, an dem geprüft wurde, nicht für den Halm.
- Die Klassen sind relative Werte. Aus der Dauerhaftigkeitsklasse ist eine Gebrauchsdauer nicht direkt ableitbar, auch wenn dazu Angaben in der Literatur und in Firmenschriften existieren. Wer „Klasse 1 = 25 Jahre” liest, liest eine Vereinfachung, die die Norm nicht deckt.
- Bei Von-bis-Angaben zählt die schlechtere Einstufung. Viele Holzarten streuen, Eiche zum Beispiel über die Klassen 2 bis 4. Seit der Fassung EN 350:2016 werden zwei Werte angegeben: der erste für den Erdkontakt (Freiland- und Moderfäuleprüfung), der zweite in Klammern für den Außenbereich ohne Erdkontakt (Laborprüfung gegen Basidiomyceten).
So werden die Klassen geprüft
Geprüft wird die Widerstandsfähigkeit gegen holzzerstörende Pilze, nicht die Optik und nicht die Härte. Im Labor läuft die Prüfung gegen Basidiomyceten nach EN 113-2 (bisher CEN/TS 15083-1) und gegen Moderfäulepilze nach CEN/TS 15083-2; im Freiland wird in Gebrauchsklasse 4 nach EN 252 geprüft, mit Prüfhölzern im Erdkontakt. Die Datenblätter der Bambus-Terrassendielen nennen genau diese Verfahren: CEN/TS 15083-1 als Laborprüfung und CEN/TS 15083-2 als Simulierung des Freilandtests.
Warum thermisch modifizierter Bambus dabei in Klasse 1 landet, liegt am Verfahren. Beim Thermo-Density®-Verfahren (Bamboo X-treme®) werden die Bambusstränge mit Dampf auf rund 200 °C erhitzt; dabei ändert sich der Feuchtegehalt und der Zuckergehalt wird entfernt, also die Nahrungsgrundlage für Pilze. Anschließend werden die Stränge unter hohem Druck und hoher Temperatur verdichtet, von 650 bis 700 kg/m³ auf etwa 1.150 kg/m³.
Bamboo N-durance® entsteht im Outdoor-Density®-Verfahren: Dämpfen bei 130 bis 140 °C, dann Hochverdichtung auf etwa 1.200 kg/m³. Ohne diese thermische Behandlung bleibt der Zucker im Material, und mit ihm die Anfälligkeit.
Die Einstufung in Klasse 1 wird an der Probe des thermisch modifizierten, verdichteten Bambus ermittelt. Sie hängt nicht an einem Öl oder Anstrich und geht deshalb auch nicht verloren, wenn die Oberfläche vergraut oder die Ölpflege ausbleibt.
Die Klassen im Überblick: Bambus und gängige Terrassenhölzer
Die folgende Tabelle führt nur Werte mit Quelle: die Hersteller-Datenblätter für Bambus, die Holzartenblätter der Holzforschung Austria und den Anhang B der EN 350:2016 für die Nadelhölzer. Angaben in Klammern sind die Laborwerte für den Außenbereich ohne Erdkontakt.
| Material | Dauerhaftigkeitsklasse (EN 350) | Quelle / Hinweis |
|---|---|---|
| Bamboo X-treme® (Thermo-Density®) | 1 | CEN/TS 15083-2 und CEN/TS 15083-1; Gebrauchsklasse 4 |
| Bamboo N-durance® (Outdoor-Density®) | 1 | CEN/TS 15083-2 und EN 113-2; Gebrauchsklasse 4 |
| dassoXTR / dassoCTECH | 1 | EN 113 / EN 350 (Herstellerangabe und EPD) |
| Thermoesche (thermisch modifiziert) | meist 1 bis 2 | je nach Behandlungsintensität; empfohlen bis Gebrauchsklasse 3 |
| Bamboo UltraDensity® (verdichtet, nicht thermisch modifiziert) | 2 | CEN/TS 15083-1; Gebrauchsklasse 3.1, Innenbereich und überdachter Außenbereich |
| Eiche, Kernholz | 2 bis 4 (1 bis 2) | große Bandbreite; im Zweifel die schlechtere Einstufung |
| Sibirische Lärche, Farbkernholz | 3 bis 4 | ab 700 kg/m³ Rohdichte Klasse 3 |
| Europäische Lärche, Farbkernholz | 3 bis 4 | weitringiges Holz aus niedrigen Lagen Klasse 4 |
| Douglasie, in Europa kultiviert | 3 bis 4 (3 bis 5) | EN 350:2016, Anhang B |
| Kiefer, Kernholz | 3 bis 4 | kesseldruckimprägnierte Bereiche werden als Klasse 1 geführt, das Kernholz selbst nicht |
| Fichte | 4 (4 bis 5) | EN 350:2016, Anhang B |
| Bambus, unbehandelt | keine Klassenangabe | kann nicht ohne Schutzbehandlung im Freien verwendet werden |
Tropische Harthölzer wie Ipé oder Bangkirai fehlen in dieser Tabelle nicht, weil sie schlecht abschneiden, sondern weil für sie keine Quelle mit belastbarer Klassenziffer vorliegt; das Holzartenblatt zu Bangkirai führt das Holz als dauerhaft gegen Insekten, Termiten und Bohrmuscheln, nennt aber keine Ziffer. Den direkten Vergleich von Bamboo X-treme® mit Bangkirai finden Sie im Artikel Bamboo X-treme Erfahrungen, den mit Tropenholz insgesamt unter Tropenholz und seine Alternativen.
Gebrauchsklassen: wo welche Klasse ohne Schutzbehandlung reicht
Die Dauerhaftigkeitsklasse allein sagt noch nicht, ob ein Material an einem bestimmten Ort ohne Schutzbehandlung auskommt. Dafür gibt es die Gebrauchsklassen nach EN 335: Sie beschreiben die Feuchtebeanspruchung und das Befallsrisiko am Einbauort.
| Gebrauchsklasse (EN 335) | Einbausituation |
|---|---|
| 1 | Innenbereich, trocken |
| 2 | feuchter Innenbereich |
| 3 | Außenbereich ohne Erdkontakt (Unterklassen 3.1 und 3.2) |
| 4 | Erd- oder Süßwasserkontakt, ständige Befeuchtung |
| 5 | Meerwasser |
Außenbeläge aus Holz werden bei ordnungsgemäßer Konstruktion grundsätzlich der Gebrauchsklasse 3.1 zugeordnet; bei starker Beschattung, Laub, Schmutz oder Staunässe entstehen Bedingungen wie im Erdkontakt. Welche Dauerhaftigkeitsklasse dort genügt, regelt EN 460:2023: In Gebrauchsklasse 3 sind Klasse 1 und 2 ausreichend, Klasse 3 üblicherweise ausreichend und Klasse 4 kann ausreichend sein; in Gebrauchsklasse 4 ist Klasse 1 ausreichend, Klasse 2 üblicherweise ausreichend und Klasse 3 kann ausreichend sein.
Das Datenblatt von Bamboo N-durance® stellt dieselbe Zuordnung als Matrix dar. Sie zeigt für jede Kombination, ob die natürliche Dauerhaftigkeit genügt:
| Gebrauchsklasse | Klasse 1 | Klasse 2 | Klasse 3 | Klasse 4 | Klasse 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Innenbereich | o | o | o | o | o |
| 2 feuchter Innenbereich | o | o | o | (o) | (o) |
| 3 Außenbereich ohne Erdkontakt | o | o | (o) | (o)–(x) | (o)–(x) |
| 4 Erd-/Süßwasserkontakt | o | (o) | (x) | x | x |
| 5 Meerwasser | nicht geprüft | (x) | (x) | x | x |
Legende: o natürliche Dauerhaftigkeit ausreichend · (o) üblicherweise ausreichend, unter bestimmten Bedingungen kann eine Schutzbehandlung empfehlenswert sein · (o)–(x) kann ausreichend sein, je nach Endverwendung kann eine Schutzbehandlung notwendig sein · (x) Schutzbehandlung üblicherweise empfehlenswert · x Schutzbehandlung notwendig.
Für die Praxis heißt das: Bamboo X-treme® und Bamboo N-durance® sind nach EN 335 für Gebrauchsklasse 4 eingestuft und kommen dort mit ihrer Klasse 1 ohne Schutzbehandlung aus, also auch als Unterkonstruktion in Bodennähe. Thermoesche wird vorzugsweise bis Gebrauchsklasse 3 empfohlen, Bamboo UltraDensity® ist für Gebrauchsklasse 3.1 eingestuft.
Was Klasse 1 nicht bedeutet
Keine Lebensdauer in Jahren. Die Klasse ist ein relativer Wert aus Prüfverfahren. Die Datenblätter nennen Klassen und Prüfnormen, keine Jahre.
Keine Garantie auf „25 Jahre Haltbarkeit”. MOSO® gibt für Bamboo X-treme® Outdoor-Produkte 25 Jahre Garantie auf die Verleimung, bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und Einhaltung der Bauanleitung. Schäden durch unsachgemäßen Gebrauch, Unfälle, Oberflächenpilze und Insektenbefall sind ausgenommen; für Bamboo X-treme® Balken gelten 10 Jahre. Garantie und Dauerhaftigkeitsklasse sind zwei verschiedene Dinge.
Kein Schutz der Oberfläche. Die Klasse beschreibt den Widerstand gegen holzzerstörende Pilze im Material. Oberflächenpilze und Vergrauung sind davon nicht erfasst. Bamboo X-treme® wird werkseitig geölt oder auf Anfrage unbehandelt geliefert. Bamboo N-durance® erhält im Werk einen Fungizidanstrich und Öl, die eine schnelle Verwitterung verhindern und die Entwicklung von Pilzen auf der Oberfläche eingrenzen; Anstrich und Öl entsprechen der europäischen Biozidprodukte-Verordnung, die Behandlung ist nur oberflächlich. Die Klasse 1 wurde am Material geprüft, nicht an diesem Anstrich. Was die Ölpflege leistet und was nicht, steht im Artikel Bambus-Terrassendielen pflegen.
Keine Aussage zu Rissen und Formveränderung. An Oberfläche und Dielenenden können durch unterschiedliche Trockenheitsgrade Risse entstehen. Die Verlegeanweisung führt das als normales Phänomen, das bei nahezu allen Hartholzarten zu beobachten ist und Stabilität wie Dauerhaftigkeit der Diele nicht beeinflusst. Die übrigen Einschränkungen des Materials sind im Abschnitt „Nachteile von Bambus-Terrassendielen” des Erfahrungsartikels zusammengefasst.
Keine Prüfung für Meerwasser. Die natürliche Dauerhaftigkeit von Bamboo N-durance® wurde nicht auf Meerwasser geprüft; in der Matrix bleibt das Feld für Gebrauchsklasse 5 deshalb offen.
Insekten und Termiten
Die Dauerhaftigkeitsklasse nach EN 350 bezieht sich auf Pilze. Für Insekten gibt es eigene Prüfungen, und die Datenblätter weisen sie getrennt aus. Bamboo X-treme® ist gegen europäische Termiten in Klasse M eingestuft (EN 350 / EN 117, Prüfart Coptotermes gestroi) und gegenüber den Larven holzzerstörender Käfer als dauerhaft (EN 350 / EN 49-2). Gegen oberflächliche Pilze (Bläue) ist Bamboo X-treme® mit Klasse 0 nach EN 152 bewertet.
Welche Bambus-Produkte welche Klasse tragen
- Bamboo X-treme® Terrassendielen und Fassaden: Klasse 1 nach EN 350, Gebrauchsklasse 4 nach EN 335, 25 Jahre Garantie auf die Verleimung. Die Terrassendielen sind auf Anfrage zum festen Preis erhältlich.
- Bamboo N-durance® Terrassendielen: Klasse 1 nach EN 350, Gebrauchsklasse 4 nach EN 335, werkseitig mit Fungizidanstrich und Öl.
- dassoXTR Terrassendielen: Klasse 1 nach EN 113 / EN 350, direkt bestellbar unter Terrassendielen.
- Bamboo X-treme® Outdoorbalken für die Unterkonstruktion: Gebrauchsklasse 4 nach EN 335, 10 Jahre Garantie; Balken und Clips finden Sie im Terrassen-Zubehör.
- Bamboo UltraDensity®: Klasse 2 nach EN 350, Gebrauchsklasse 3.1, eine Massivdiele für den Innenbereich und überdachte Außenflächen.
Wer eine Terrasse plant, braucht beides: eine Dauerhaftigkeitsklasse, die zur Gebrauchsklasse des Einbauorts passt, und eine Konstruktion mit Gefälle und guter Hinterlüftung. Die Klasse 1 nimmt dem Material das Risiko der Fäule, die Konstruktion entscheidet über den Rest.