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Bambus-Großprojekte: Madrid-Airport, ZERI-Pavillon, BMW-Carport

Wer Bambus für eine Modeerscheinung hält, sollte sich drei Projekte ansehen: das gekrümmte Dach des Flughafens Madrid-Barajas, den ZERI-Pavillon der Expo 2000 in Hannover und das BMW-Solar-Carport in Südafrika. Drei sehr unterschiedliche Bauten, drei Verfahrensvarianten — und ein gemeinsames Argument für die Tragfähigkeit des Materials.


Terminal 4 des Flughafens Madrid-Barajas mit geschwungener Bambus-Deckenverkleidung von MOSO — eines der bekanntesten europäischen Großprojekte mit Bambus als Sichtmaterial

Drei Bauwerke, drei Antworten auf einen Materialvorbehalt

Bambus hat ein hartnäckiges Image-Problem. Wer das Wort hört, denkt an Gartenmöbel, an Rollos, vielleicht an Pandas. Selten an einen Flughafen, fast nie an einen Bahnhof, eigentlich nie an ein tragendes Bauteil. Drei realisierte Bauwerke zeigen, dass diese Verengung am Werkstoff vorbeigeht — und dass Engineered Bamboo in Anforderungsklassen bestehen kann, in denen Holz oder Stahl bislang konkurrenzlos waren.

Projekt 1 — Madrid-Barajas T4: 200.000 m² Bambus über einem Flughafen

Das Terminal T4 des Flughafens Madrid-Barajas eröffnete 2006 und ist bis heute das größte zusammenhängende Bambus-Bauprojekt der Welt. Architekturbüro: Rogers Stirk Harbour + Partners (London) gemeinsam mit Estudio Lamela Arquitectos (Madrid). Die Decke besteht aus rund 200.000 Quadratmetern gekrümmter Bambus-Lamellen — eine geschwungene Flächenform, die kein Standard-Werkstoff in dieser Größe leisten könnte.

Die technische Lösung: Mehrlagiges Bambusfurnier, jede Lage etwa 100 mm breit, kreuzweise laminiert. Diese Konstruktion erlaubt die zweidimensionale Verformung — die Lamellen lassen sich in zwei Richtungen krümmen, ohne zu brechen. Aus statischer und gestalterischer Sicht ist das eine Eigenschaft, die mit Massivholz in dieser Form nicht realisierbar wäre.

Die regulatorische Hürde: Eine Flughafendecke unterliegt extrem strengen Brandschutzvorgaben. Bambus war 2003 in dieser Anwendung beispiellos — die Planer mussten den Werkstoff für die spanische Behörde überhaupt erst klassifizierbar machen. Jede Furnierschicht wurde einzeln mit einem geprüften Flammschutz imprägniert. Moderne Strand-Woven-Werkstoffe erreichen vergleichbare Brandklassen heute ohne Zusatz-Imprägnierung — die hohe Pressdichte übernimmt diese Funktion, wie im Artikel zum Bambus-Brandschutz beschrieben.

Was das Projekt belegt: Bambus skaliert. Was im T4 als Sondergenehmigung mit massivem regulatorischen Aufwand realisiert wurde, ist zwanzig Jahre später als Standard-Sortiment bestellbar.

Projekt 2 — ZERI-Pavillon Hannover: 14 Meter aus Bambus, 6,4 Millionen Besucher

Auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover stellte die kolumbianische Zero Emissions Research and Initiatives (ZERI) einen Pavillon vor, der zur Architektur-Ikone des Bambusbaus wurde. Geplant von Simon Velez, gebaut in vier Monaten von 41 kolumbianischen Handwerkern, 14 Meter hoch, geöffnet für 6,4 Millionen Besucher der Expo.

Der ZERI-Pavillon arbeitet — anders als Madrid oder das BMW-Carport — nicht mit Engineered Bamboo, sondern mit ganzen Bambusrohren aus dem natürlichen Wuchs. Velez gilt als Pionier dieser strukturellen Disziplin, die im westlichen Bauwesen kaum existiert: Verbindungen werden mit Mörtelfüllung in den Hohlräumen der Halme realisiert, Knotenpunkte mit Stahlbändern oder Holzeinlagen verstärkt.

Die regulatorische Hürde: Deutsche Bauämter hatten 1999 keine Grundlage, um einen 14 Meter hohen Bambus-Tragwerksbau zu genehmigen. Die Planer um Carolina Salazar mussten den statischen Nachweis aus dem Boden stampfen — mit wissenschaftlichen Tests, die belegten, dass die Halme die Lasten tragen können. Die Genehmigung wurde erteilt, das Bauwerk stand stabil über die gesamte Expo-Dauer.

Was das Projekt belegt: Bambus ist tragfähig, auch ohne industrielle Verarbeitung. Die mechanischen Eigenschaften des Materials — hohe Zugfestigkeit, gute Biegesteifigkeit, geringes Eigengewicht — qualifizieren es für tragende Anwendungen, wenn der ingenieurtechnische Nachweis vorliegt. Velez hat mit dem Pavillon ein Vokabular eingeführt, das seither in vielen Bauten asiatischer und lateinamerikanischer Architektur weitergeführt wird.

Projekt 3 — BMW-Solar-Carport Südafrika: laminated Bambus als Tragwerk

In Südafrika hat BMW Designworks ein Solar-Carport aus Bambus realisiert — diesmal nicht als dekoratives Element, sondern als tragendes Bauteil. Die Träger bestehen aus Bamboo N-finity: laminierter Bambus, fingergezinkt auf Streifenebene, mit einer Imprägnierung für den Außeneinsatz versehen.

Der wissenschaftliche Hintergrund: Bevor das Carport gebaut werden konnte, mussten die Träger statisch nachgewiesen werden. Die Graz University of Technology hat in Kooperation mit der University of Cambridge die Bambus-Träger nach EN 408 geprüft — dem europäischen Standard für tragende Holzbauteile. Das Ergebnis: Die laminated Bambus-Träger erreichen oder übertreffen mehrere wichtige Strukturmerkmale typischer Bauhölzer wie laminierter Fichte. Damit war die Grundlage für die Baugenehmigung gelegt.

Was das Projekt belegt: Engineered Bamboo ist statisch leistungsfähig und prüfbar. Die mechanischen Eigenschaften lassen sich mit den bestehenden Holznormen erfassen und in Bauplanungen überführen. Für (sekundäre) tragende Anwendungen ist der Werkstoff damit einsatzbereit — auch wenn die nationale Bauproduktnormung für Bambus erst seit 2016 in der ISO/TC 296 systematisch aufgebaut wird.

Bonus — Bordeaux-Saint-Jean: 18 Millionen Passagiere pro Jahr auf Bambus

Wer nach einem näher gelegenen Beispiel sucht, das die Alltagstauglichkeit von Engineered Bamboo unter extremer Beanspruchung zeigt, fährt nach Bordeaux. Der Bahnhof Saint-Jean — Hauptbahnhof von Bordeaux mit rund 18 Millionen Passagieren pro Jahr — wurde mit Bamboo UltraDensity-Bodenbelag ausgestattet. UltraDensity ist die für maximale Belastung optimierte Variante des Strand-Woven-Verfahrens, ursprünglich für Anwendungen wie Pferdeboxen, Industriehallen und Verkehrsknotenpunkte entwickelt.

Bahnhofsböden gehören zu den am stärksten beanspruchten Bodenflächen überhaupt: Rollkoffer, Reinigungsmaschinen, Strassenschuhe mit Sand, herabfallende Gegenstände, Stuhl-Rollen in den Wartebereichen — täglich, über Jahrzehnte. Dass dieser Boden in einem Bahnhof mit dieser Frequenz spezifiziert wurde, ist eine der stärkeren praktischen Belastbarkeitsbestätigungen, die ein Bauprodukt erhalten kann.

Die Lehre aus den drei (vier) Projekten

Drei sehr unterschiedliche Bauten, drei sehr unterschiedliche Verfahrensvarianten — und ein gemeinsames Ergebnis: Bambus ist in seinen industriell verarbeiteten Formen ein voll vermessenes, dokumentiertes, geprüftes und international zugelassenes Bauprodukt. Die regulatorischen Hürden, die in Madrid und Hannover noch projektspezifisch überwunden werden mussten, sind heute durch normierte Klassifizierungen abgedeckt. Strukturelle Anwendungen werden zunehmend durch ISO/TC 296 und nationale Anwendungen wissenschaftlicher Studien (Graz, Cambridge, TU Delft) abgesichert.

Für Architekten und Bauherren bedeutet das: Wer Bambus als Bauprodukt spezifiziert, betritt kein Experimentierfeld. Die Materialeigenschaften sind dokumentiert, die Brandklassen messbar, die Dauerhaftigkeit nach EN 350 geprüft, die statischen Werte nach EN 408 verfügbar. Was vor zwanzig Jahren in Madrid ein Pionierprojekt war, ist heute Standardanwendung.

Die fünf Engineered-Bamboo-Verfahren im Vergleich zeigen, welcher Werkstoff für welche Anforderung passt. Material-Hintergrund, LCA-Daten und weitere Referenzarchitektur unter Bambus als Werkstoff.

Produkte aus den verwendeten Werkstoffen

Die Werkstoffe, die in den vorgestellten Projekten verbaut wurden, sind aus dem MOSO-Sortiment in Endkundenmengen erhältlich:

Auf Anfrage liefern wir die zugehörigen Prüfzeugnisse und Datenblätter — für jedes Projekt, das eine Behördenfreigabe braucht.

Häufige Fragen

Das Wichtigste auf einen Blick

Sind diese Projekte mit MOSO-Produkten aus dem heutigen Sortiment vergleichbar?

Teilweise. Die Madrid-Decke wurde 2006 mit einer damals brandneuen Mehrlagen-Furnier-Technologie umgesetzt — heute liefern Strand-Woven- und Thermo-Density-Werkstoffe vergleichbare Brandklassen ohne Sonderbehandlung. Der BMW-Carport nutzt das aktuelle Bamboo-N-finity-System (laminated, imprägniert, fingergezinkt). Der ZERI-Pavillon wurde aus ganzen Halmen errichtet, also außerhalb der Engineered-Bamboo-Sortimente.

Sind solche Bauwerke in Mitteleuropa baurechtlich überhaupt zulässig?

Ja. Madrid-Barajas, Bordeaux-Saint-Jean, das Hannover-Expo-Gelände und zahlreiche weitere Bauwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen Bambus-Werkstoffe seit Jahren. Voraussetzung sind die übliche Klassifizierung nach EN 13501-1 (Brandschutz), EN 350 (Dauerhaftigkeit) und projektspezifische statische Nachweise. Bei strukturellen Anwendungen über Sekundärbauteile hinaus arbeiten Hersteller mit Universitäten zusammen, weil Bambus in vielen nationalen Bauordnungen noch nicht eigenständig normiert ist.

Sind die mechanischen Werte des MOSO-Bambus in Forschungsstudien belegt?

Ja. Die Graz University of Technology hat in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge die laminated Bamboo-N-finity-Träger des BMW-Solar-Carports nach EN 408 geprüft — den europäischen Standard für tragende Holzbauteile. Die Ergebnisse zeigen, dass die geprüften Bambus-Träger gängige Hölzer in mehreren wichtigen Strukturmerkmalen erreichen oder übertreffen. Seit 2016 koordiniert das ISO/TC 296 die internationale Normung für Bambus und Rattan.

Welcher dieser Bauten ist am häufigsten für Architekturreisen empfohlen?

Aus europäischer Sicht der Flughafen Madrid-Barajas (Terminal T4) — frei zugänglich, jährlich von über 60 Millionen Passagieren begangen, und mit rund 200.000 Quadratmetern Bambus-Decke das größte zusammenhängende Bambus-Projekt der Welt. Der Bahnhof Bordeaux-Saint-Jean ist die zweite empfehlenswerte Adresse: rund 18 Millionen Passagiere pro Jahr laufen über das UltraDensity-Parkett.

Wie übersetzen sich solche Großprojekte in private Bauvorhaben?

Direkt — die Werkstoffe und Verfahren sind dieselben. Eine Hotellobby in Wien arbeitet mit demselben Strand-Woven-Density wie ein Großflughafen, eine Terrasse in Tirol mit demselben Thermo-Density wie eine Fassade in einer südafrikanischen BMW-Werkstatt. Der Unterschied ist die Stückzahl, nicht die Materialqualität.

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