Tropenholz

Tropenholz

Im Handel gehören Parkett, Türen, Fensterrahmen und Gartenmöbel aus Tropenholz zum Standard-Sortiment. Hier erfahren Sie, warum nur ein konsequenter Verzicht auf Tropenholz die Regenwälder retten kann – und welche Alternativen es gibt.

Vor gut zwanzig Jahren war Tropenholz ein Ladenhüter. Rettet den Regenwald und andere Umweltschützer hatten zum Tropenholzboykott aufgerufen. Dann kam das Holzsiegel FSC, und seit Mitte der 90-er Jahre kann man zertifizierte Tropenholzprodukte kaufen. Doch das Siegel hat dem Regenwald und seinen Bewohnern nichts genützt – der artenreichste Lebensraum der Erde wird weiter gerodet.

Das Kürzel FSC bezeichnet die Bonner Forest Stewardship Council International Center GmbH. Sie hat sich die Zertifizierung von Wäldern und Industrieplantagen auf die Fahnen geschrieben und wird seit Jahren auch von der deutschen Entwicklungshilfe gefördert. 1993 wurde FSC mit viel Werbeaufwand aus der Taufe gehoben und residierte bis zu seinem Umzug nach Deutschland jahrelang im fernen Mexiko.

Das Ziel des Holzsiegels FSC: Die Verbraucher sollten weiterhin Tropenholz kaufen – aber mit gutem Gewissen. Wer also ein Herz für den Regenwald hat, schaut beim Möbel- oder Parkettkauf auf das Label FSC. Damit können die Kunden im Baumarkt oder Möbelhaus „gutes” von „schlechtem” Holz unterscheiden. „Gutes” Holz trägt das Label mit dem stilisierten Baum und FSC-Schriftzug.
Denn der FSC verspricht „weltweit verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung zu fördern”. Diese soll „umweltmäßig angemessen, sozial förderlich und wirtschaftlich rentabel” sein. Was das aber in der Praxis bedeutet, ist umstritten. In der Regel soll der Wirtschaftszweig vor allem rentabel sein. Doch die Artenvielfalt leidet massiv unter dem zertifizierten industriellen Holzeinschlag. Der FSC selbst sieht sich denn auch nicht als „Ökolabel”, wie der Geschäftsführer des FSC Deutschland im Juli 2012 in einem Brief an Rettet den Regenwald betonte: „Ihre Aussage, der FSC sei ein Ökolabel, ist falsch und entbehrt jeder Grundlage.”

Abholzung der Regenwälder geht unvermindert weiter

Das Ergebnis von 19 Jahren FSC: 70 Millionen Hektar Wald und 50 Millionen Hektar Forste und Industrieplantagen tragen weltweit das Siegel, das entspricht 3 Prozent der globalen Waldfläche. Ursprünglich war die Zertifizierung für die Tropenwälder konzipiert. Mit ihrer Broschüre „FSC hinterlässt Spuren – Auswirkungen des FSC in den Tropen”, versucht die Organisation diesen Anspruch bildreich zu wahren. Doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: In den Tropen liegen bei FSC nur 13 % der zertifizierten Fläche. Und trotz FSC – und etwa 50 weiterer ins Leben gerufener Holz- und Waldlabel – geht die Regenwaldrodung unvermindert weiter.

„Verantwortungsvolle Waldwirtschaft” nennen die Holzkonzerne ihr Vorgehen. Durch zertifizierten Einschlag würden die Wälder einen Wert bekommen, sonst drohe deren vollständige Rodung, so das verbreitete Credo. Jeder umgesägte Baum wird auf diese Weise zum Beitrag für den Regenwaldschutz und die Entwicklung der Menschen. In dieses Horn stoßen auch Umweltorganisationen wie der Schweizer World Wide Fund For Nature (WWF), der einen regelrechten Siegelwahn ausgelöst hat – neben Holz u.a. auch für Palmöl, Soja, Baumwolle, Fisch und Garnelen.

Fakt ist: Mit dem Segen von FSC und WWF fallen Holzfäller in die letzten unberührten Regenwälder der Erde ein und roden den Menschen ihre Heimat und Lebensgrundlagen weg. Was man damals wie heute ignoriert: Es gibt keine wissenschaftlich anerkannte, nachhaltige Form des industriellen Holzeinschlags im Regenwald. Es ist weder nachhaltig noch verantwortlich, die Urwaldriesen umzusägen, einen Großteil der übrigen Bäume für Zufahrtswege und von Holzschleppern platt walzen zu lassen, das Klima zu schädigen (lesen Sie dazu „Tropenholz heizt das Klima an”) und die Lebengrundlagen der Waldbewohner zu zerstören .

Zertifizierte Industrieplantagen sind grüne Wüsten

Zudem breiten sich mit Hilfe des FSC überall industrielle Holzplantagen aus. Über 40 Prozent der mit dem Label zertifizierten Fläche sind keine Wälder, sondern gepflanzte Forste oder riesige industrielle Monokulturen mit Eukalypten, Kiefern und Akazien. Diese in der Regel aus gleichaltrigen, geklonten (d.h. im Labor erzeugten genetisch identischen Setzlingen), schnellwachsenden exotischen Baumarten haben mit „Wäldern” überhaupt nichts gemein.

Die Monokulturen bieten Tieren und Pflanzen kaum Lebensraum, sie wirken sich nachteilig auf die Böden und den Wasserhaushalt aus und verdrängen die dort lebenden Menschen. Die wenigen Spezialisten, die auf den Industrieplantagen überleben, werden mit Herbiziden weggespritzt oder wie beispielsweise die Paviane in Südafrika, die sich von den frischen Baumtrieben ernähren, zu Tausenden abgeschossen. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt wie das World Rainforest Movement kämpfen gegen die zertifizierten grünem Wüsten.

Viele dieser FSC zertifizerten Industrieplantagen breiten sich zudem auf Kosten der natürlichen Wälder und anderer Ökosysteme aus. Nicht nur in den Ländern des globalen Südens wie Brasilien, Chile, Südafrika oder Indonesien, sondern beispielsweise auch in Skandinavien und Russland. Zuerst werden die Primärwälder von der Holzindustrie im Kahlschlagverfahren abgeholzt und dann in artenmarme Industrieforste umgewandelt. Die schwedische Umweltorganisation SSNC berichtet darüber in ihrer Studie „Cutting the Edge”.

FSC wischt die Proteste der Menschen weg

Nur die Ureinwohner haben mit ihrer traditionellen und Ressourcen schonenden Lebensweise die Regenwälder bis heute erhalten und verteidigt. Deren Lebensweise gilt in Industrienationen aber als rückschrittlich. Sie werden häufig bei der Vergabe der Konzessionen einfach übergangen, nie informiert oder um ihre Zustimmung gefragt. Schlimmer noch: Die Klagen der Menschen gegen die Bulldozer und Motorsägen in ihrem Wald werden mit dem Alibi des Siegels als haltlos weggewischt.

Als besondere Errungenschaft beschreibt FSC in seiner Tropenholzbroschüre, wie im Kongobecken mit GPS ausgestattete Pygmäen ein paar besonders wichtige Bäume und Areale vor Säge und Bagger retten dürfen. Was der FSC verschweigt: Die Ureinwohner kämpfen in den Holzfällercamps ums Überleben und werden wie Eindringlinge auf ihrem eigenen Land behandelt.

Die Wirtschaft dominiert FSC, Transparenz besteht nur auf dem Papier
Trotz der Unterteilung von FSC in drei eigentlich gleichberechtigte Kammern für Umwelt, Soziales und Wirtschaft wird der Verein von letzterer dominiert. In Folge wurden die Standards immer weiter aufgeweicht. Schnell häuften sich die Betrugsfälle und Proteste gegen unangemessene Zertifizierungen. Umweltschützer haben im Internet unter www.fsc-watch.org die schlimmsten Fälle aufgeführt.

Beispiel Precious Woods

Vor 20 Jahren gründeten Schweizer Investoren die Firma Precious Woods. Die Firma sollte den praktischen Beweis erbringen, dass zertifizierte, nachhaltige Regenwaldbewirtschaftung möglich und rentabel sei. Precious Woods kaufte große Regenwaldflächen in Brasilien, Gabun und anderen Tropenländern zusammen. Mit Straßen, Holzfällercamps und Sägewerken erschloss die Firma die Gebiete für den Einschlag der Tropenholzer und ließ sie mit dem FSC-Label zertifizieren.

Doch inzwischen ist das Label für die Regenwälder im brasilianischen Bundesstaat Para verschwunden, die Wälder wurden verschachert, es laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen illegalen Landhandels sowie Betrugs und die Anteilseigner müssen permanent frisches Kapital nachschießen, wie das Börsenblatt Cash berichtet (siehe Precious Woods: Millionengrab in Brasilien). Dabei hatte Rettet den Regenwald schon 1998 den Betrug von Precious Woods mit brasilianischem Tropenholz für den Küstenschutz in Mecklenburg Vorpommern aufgedeckt.

Zertifizierer sind von Aufträgen abhängig

Der FSC und die akkreditierten Zertifizierer lassen Kritik weitgehend an sich abprallen. Beschwerden verlieren sich in langwierigen internen Verfahren. Zudem bestimmen die Holzfirmen, welchen Zertifizierer sie unter Vertrag nehmen, und bezahlen diesen direkt. Deren Unabhängigkeit wird damit ausgehöhlt.

Transparenz bleibt ein Versprechen

Auch von Transparenz ist wenig zu spüren. Über die Herkunft der zertifizierten Hölzer haben Kunden und die interessierte Öffentlichkeit keinen Einblick, selbst der FSC kann die oft komplexen Lieferwege nicht zurückverfolgen. Einblick in die Produktkette haben nur die Zertifizierer, teilte der FSC auf Anfrage mit. FSC bedeutet also blindes Vertrauen auf das Label und dessen Zertifizierer. Auch der Zutritt zu den oft streng bewachten Einschlagsgebieten ist meist verboten. Eine unabhängige Überprüfung der Aktivitäten ist damit faktisch unmöglich.

FAZIT

Der Markt kann die Abholzung nicht stoppen. Freiwillige, private Zertifizierungssysteme bringen ein komfortables Schutzschild und bestenfalls kosmetische Verbesserungen. Nötig sind staatliche Initiative, strenge Kontrollen und harte Strafen.

Wir raten vom Vertrauen in Holzsiegel – neben dem FSC gibt es noch Dutzende weitere Holzlabel – und in jedem Fall vom Kauf von Tropenhölzern ab. Kaufen Sie Hölzer aus heimischer naturnaher Waldwirtschaft. Und bitte nehmen Sie auch an unseren Aufrufen zum Importverbot von Tropenholz teil.

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